Der Wohnort - der Wat
Autor: Wilfried Stevens / Siam-Journal
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Der Buddhismus wird in den vielen Klöstern, den Wats, von den Mönchen gepflegt und weitergegeben. Solch ein Wat ist in zwei Hauptbezirke unterteilt: der Wohnbereich der Mönche und der religiöse Bereich mit seinen Kultbauten. Den Wohnbereich bezeichnet man als Sangha, er kann je nach Größe des Klosters, aus einem oder mehreren Gebäuden bestehen. Außer der Wohnung des Abtes, dem Oberhaupt des Wat, sind alle Wohnungen schmucklos.

Wer Abt werden möchte, muß wenigstens zehn Jahre Mönch gewesen sein und sich dadurch Ansehen und Recht erworben haben. Er muß sich mit allen religiösen Angelegenheiten auskennen und zusätzlich Kenntnisse der Traditionen in seiner Gemeinde haben. Seine Ernennung erfolgt durch einen Ältestenrat. Die jüngsten Mönche (Bikkhu) leben zumeist in Gemeinschaftsunterkünften, ältere Mönche haben meist ein eigenes Zimmer, das oftmals auch als Meditationszelle (Kuti) bezeichnet wird. Die Halle (Sala) im Wohnbereich dient zugleich als Speiseraum, als Gebetshalle und als Unterrichtsraum, wo der Mönchslehrer die Tempeljungen Lesen und Schreiben lehrt. Hier befindet sich auch eine Küche. Manche Wats sind manchmal so klein, dass sie nur über ein einzige Häusergruppe verfügen.

Bis zu Beginn dieses Jahrhunderts hatte die Sangha noch größerer Bedeutung als heute. Früher waren die Klöster Schule, Krankenhaus, Altenheim und religiöses Zentrum in einem. Nach der Modernisierung des Staates blieb nur noch die religiöse Funktion der Sangha erhalten, auch wenn selbst heute noch vielen größeren Klöstern Schulen angegliedert sind, die eine nicht geringe Schülerzahl unterrichten. Dazu kommen zwei bedeutende buddhistische Universitäten in Bangkok.

Der Bot ist das heiligste Gebäude im Wat und gehört zum religiösen Bereich. Dort werden vor allem die Ordinationen abgehalten. Im Viharn thront die heiligste Buddha-Figur des Klosters. Der Viharn ist meistens ein hallenförmiges Gebäude, das den Mönchen und Laien als Stätte der Andacht und der Opferungen dient. In manchen (ärmeren) Klöstern kann der Viharn jedoch ganz fehlen und in manchen (reicheren) Klöstern gibt es sogar mehrere. Hier befinden sich auch eine Glocke oder Trommel, die dazu verwendet werden, um die Mönche oder die Gemeinde zu den Andachten oder anderen Gelegenheiten zusammenzurufen.

Fast jedes Dorf verfügt über einen Wat. Der Bau eines Klosters gilt als höchst verdienstvoll. Derjenige, der nichts spenden kann, hilft beim Bau mit. Natürlich fragt man sich als außenstehender Farang, warum die Thais mehr Zeit investieren neue Wats zu bauen, statt mehr alte und ältere zu renovieren. Bei der Bevölkerung besteht der Glaube, dass der Verdienst für die Renovierung eines Wat dem ursprünglichen Erbauer zugute kommt. Um jedoch einen höhe-ren Verdienst für sich selber zu erlangen, unterstützt man lieber den Bau eines neues Wat oder neuen Gebäudes. Viele Gläubige vererben nach ihrem Tod z.B. dem naheliegenden Wat Immobilien. Das können frei Grundstücke, Reisfelder oder auch Gebäude mit Land sein. Dadurch kann der Wat sein Areal entweder vergrößern oder z.B. das geerbte Land weiter verpachten, um aus den Einkünften den Unterhalt des Wat zu gewährleisten.

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